Die KG "Löstige Geselle bezieht heute ihr neues Zeughaus

Im alten Weinkeller herrscht künftig Frohsinn

Honnefer Karnevalsgesellschaft hat sich eine "Juute Stuff " eingerichtet - Viele Stunden harte Arbeit unter Tage - Ein Traum geht in Erfüllung

(ro) - Die Löstigen Gesellen steigen heute hinab abend in den Keller. Und nicht etwa, um Kartoffeln oder Kohlen heraufzuholen, sondern um - in Tateinheit mit ihrem Namen - recht fröhlich zu sein. Die Karnevalisten beziehen heute ganz intern ihr neues Zuhause, ehe es dann am 31. Juli 1999 offiziell eingeweiht wird. Zum Lachen geht's also - für Karnevalisten eigentlich ungewöhnlich - ab in den Keller, denn im neuen Domizil soll künftig ein reges Vereinsleben herrschen.

Vorausgegangen ist dem aber ein gutes Stück Arbeit. Etwa 10 000 Stunden haben die Mitglieder der KG sozusagen unter Tage geschuftet. Vor allem das Quartett Willi von der Mark, Claus Scheel, Peter Steghaus sowie Peter Stang bewältigte den größten Batzen Arbeit. Und die weniger guten Handwerker im Verein dienten als "Handlanger". Aber was war nicht auch alles zu tun in diesem Gewölbekeller direkt unter der Turnhalle an der Bergstraße! Die Löstigen waren die reinsten Mauerspechte. Neue Stürze waren nötig, Estricharbeiten mußten erledigt werden. Das größte Problem: ein neuer Haupteingang mußte her. Dazu wurden 35 Kubikmeter Erde und Felsen abgetragen und 22 Kubikmeter hineingeschafft - in Form von Beton für eine Decke. Nun können die Löstigen ganz bequem in ihr "Vereins-Wohnzimmer" gelangen. Schön ist es schon draußen vor dem blauen Tor: Dort bepflanzte Ehrenmitglied Johannes Solzbacher ein Beet.

An der neuen KG-Adresse befand sich einst der Dauhof, der 1952 abgerissen wurde. Erhalten blieb nur der alte Keller. Die Stadt verpachtete ihn der KG, die ihn nun als Zeughaus nutzen wird. Und der Umbau ist der Gesellschaft bestens gelungen. Die Ursprünglichkeit des Kellers blieb erhalten, die Bruchsteine legen davon Zeugnis ab. In der "Juute Stuff" der KG stehen nun zwei große Räume mit siebzig Sitzplätzen zur Verfügung. Hinzu kommen Theke, ein kleiner Küchenbereich sowie ein Materialraum, in dem sämtliche "Besitztümer", angefangen beim Kostüm bis hin zum Elferratstisch, gelagert werden. Natürlich ist auch Platz für Orden, Pokale, Urkunden, Fotos und andere Utensilien.

Immer freitags wird künftig ein Clubabend stattfinden, wodurch nicht zuletzt der Zusammenhalt der KG gefördert werden soll. ,Aber unsere großen Versammlungen werden wir weiterhin in Gaststätten durchführen, wird sind kein Pendant für die Gastronomie", unterstreicht Präsident Heinz Arenz. Mitglieder - übrigens wird demnächst der zweihundertste Löstige aufgenommen - können außerdem die neuen Räumlichkeiten für Feste nutzen.

"Nun geht für uns ein Traum in Erfüllung", freut sich Heinz Arenz. Imponiert hatte ihm schon immer die "Kölner Lösung". In der Domstadt durften die Gesellschaften Türme in den Stadtmauern als Zeughäuser einrichten. Nun haben die Honnefer Gesellen, ebenfalls auf historischem Fleckchen, ihr neues Zuhause.

Die "Löstigen Bauarbeiter" entdeckten bei ihren Arbeiten die Inschrift "anno domini 1694" an einem Rundbogen. Damit haben sie herausgefunden, wann der Dauhof entstanden sein muß. Denn für die Geschichtsinteressierten war das bisher noch nicht ganz klar. Heimatforscher Adolf Nekum vermutete, daß der Dauhof zuerst im Besitz des Kölner Kaufmanns Wolff war, wahrscheinlich ein Weinhändler. Darauf weist auch ein Eintrag aus dem Jahre 1746 hin, wonach im Dauhof 55 Ohm Weißwein und sechs Ohm Rotwein lagerten. Aber bereits 1739/40 hatten die Erben der Familie Wolff das Gut den Unbeschuhten Karmelitern, die ihr Kloster in Köln jm Dau" hatten, übereignet. Daraus resultiert auch der Name des Anwesens an der Bergstraße. Über etwa zweihundert Jahre lang war er gebräuchlich. Mittlerweile kennt ihn kaum noch ein Honnefer. Bis zur Aufhebung des Klosters in Köln im Jahre 1802 behielten die Barfüßer den Hof in Honnef. Danach gingen die Güter in Domänenbesitz über. Gleichzeitig drei Pächter gab es damals. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte die Stadt Honnef 1902 das Anwesen für 22 000 Mark. Es sollte Gemeindezwecken dienen. Künftig geht es dort karnevalistisch zu.